Das Doppelpaddel ist das Hauptwerkzeug für jeden Kajakfahrer. Es ermöglicht das effiziente Fortbewegen und Manövrieren auf dem Wasser und macht das Paddelerlebnis erst möglich. Dabei wirkt alles rund ums Paddel wie eine Wissenschaft für sich. Ein munteres Austesten verschiedener Paddel ist schwer bis gar nicht möglich. Wie soll man da das richtige Paddel für sich finden?
In diesem Artikel werfen wir daher einen detaillierten Blick auf das Doppelpaddel und seine verschiedenen Arten.
Was ist ein Doppelpaddel?
Ein Doppelpaddel besteht aus einem langen Schaft mit zwei Paddelblättern an den Enden, die in entgegengesetzte Richtungen zeigen. Der Paddler kann mit abwechselnden Zügen auf beiden Seiten des Kajaks gleichmäßige Vorwärtsbewegung erzeugen. Im Gegensatz zum Stechpaddel, das bei Kanadiern verwendet wird, ermöglicht das Doppelpaddel eine effizientere Nutzung der Kraft, da beide Arme gleichmäßig belastet werden.


Die Bestandteile eines Doppelpaddels
Ein Doppelpaddel setzt sich aus mehreren Teilen zusammen, die jeweils einen Einfluss auf die Handhabung und die Leistung des Paddels haben:
- Schaft: Der Schaft ist der lange Teil des Paddels, der zwischen den Paddelblättern liegt. Schäfte können gerade oder gebogen sein und bestehen häufig aus Materialien wie Aluminium, Carbon oder Fiberglas.
- Blätter: Die Blätter des Paddels sind die flachen, breiten Enden, die das Wasser verdrängen, um Vortrieb zu erzeugen. Je nach Einsatzbereich können die Blätter verschiedene Formen und Größen haben. Schmale Blätter eignen sich für längere, weniger anstrengende Paddeltouren, während breitere Blätter mehr Kraft bieten und besser für schnelle Manöver, z.B. in Wildwasser, geeignet sind.
- Griffbereich: Der Bereich am Schaft, an dem das Paddel gehalten wird, ist manchmal ergonomisch geformt oder mit einem rutschfesten Material überzogen, um einen besseren Halt zu gewährleisten.
- Teilbarkeit: Viele moderne Doppelpaddel lassen sich für den Transport und die Lagerung in zwei oder mehr Teile zerlegen. Üblicherweise bestehen teilbare Paddel aus zwei oder sogar vier Teilen. Ab und zu findet man auch dreiteilige Paddel.
- Verschränkbarkeit: Beim Verschränken wird ein Paddelblatt gegen das andere um die eigen Achse verdreht. Dies hat zwei Gründe. Zum einen kann man sich das Paddel so optimal einstellen, ohne dass die Handgelenke beim Paddeln abknicken. Zum anderen bietet ein gedrehtes Paddelblatt, welches gerade nicht im Wasser ist, deutlich weniger Angriffsfläche für den Wind. Am waagerechten Paddelblatt kann der Wind gut vorbeiströmen, was deutlich weniger Widerstand und kraftsparenderes Paddeln bei Gegenwind ermöglicht, als ein senkrecht zum Wind stehendes Paddelblatt.
Auf wieviel Grad stelle ich die Verschränkung des Paddels ein?
Den idealen Winkel der Verschränkung hast du gefunden, wenn du das Handgelenk deiner Führungshand (meist das rechte) beim Paddeln durchgehend steif halten kannst und das linke Paddelblatt beim Einstechen korrekt steht. Bei starkem Gegenwind kann es Sinn machen das Paddel kurzzeitig stärker zu verschränken. Den geringsten Luftwiederstand hat man mit einem um 90° gedrehten Paddel.
Materialien und Bauarten von Doppelpaddeln
Das Material eines Doppelpaddels beeinflusst sowohl das Gewicht als auch die Leistung. Die gängigsten Materialien sind:
- Aluminium: Aluminium-Paddel sind robust und kostengünstig, allerdings schwerer als andere Optionen. Beim Winterpaddeln sind sie gar nicht zu gebrauchen. Als guter Wärmeleiter passt sich das Aluminium schnell der kalten Umgebungstemperatur an und entzieht den Händen so ständig Wärme.
- Fiberglas: Fiberglas ist leichter als Aluminium, bietet gute Steifigkeit und ist widerstandsfähig gegenüber den Elementen. Es ist eine beliebte Wahl für Freizeitpaddler, da es eine gute Balance zwischen Leistung und Kosten bietet.
- Carbon: Carbon-Paddel sind die leichtesten und leistungsstärksten Paddel auf dem Markt. Sie sind extrem steif, was eine bessere Kraftübertragung ermöglicht, und sind ideal für längere Touren oder Wettkämpfe. Allerdings sind sie teurer und empfindlicher gegenüber Beschädigungen.
- Kunststoff oder Nylon für die Blätter: Viele Doppelpaddel haben Kunststoff- oder Nylonblätter, die robust und flexibel sind. Sie eignen sich gut für Anfänger und den Freizeitgebrauch, da sie günstig und pflegeleicht sind.
Auswahl des richtigen Doppelpaddels
Die Auswahl des richtigen Doppelpaddels hängt von mehreren Faktoren ab, einschließlich der Körpergröße des Paddlers, der Breite des Kajaks und der geplanten Aktivität.
1. Welche Padellänge ist die richtige?
Die Länge des Paddels ist einer der wichtigsten Aspekte. Nutzt du ein zu kurzes Paddel, tauchen die Paddelblätter nicht vollständig ins Wasser und du musst deinen Körper ständig von links nach rechts bewegen, um dies auszugleichen. Ebenso streift man beim Paddeln oft die Seitenwand des Kajaks, wenn die Padelllänge zu kurz ist. Und von den Paddelblättern ablaufendes Wasser tropft in den Bootsinnenraum. Ein zu langes Paddel ist wiederum unnötig anstrengend. Übliche Paddellängen liegen im Bereich von 210 cm bis 240 cm. Praktisch sind auch längenverstellbare Paddel, die sich je nach Situation und Boot individuell anpassen lassen. Die passende Länge hängt von der Größe des Paddlers und maßgeblich von der Breite des Bootes ab. Bei den meist breiter gebauten Luftbooten greift man also besser in das Regalfach mit den eher längeren Paddeln. Bei schmaler gehaltenen aufblasbaren Kajaks, wie dem Zelgear Igla 410, mag eine Länge von 220 cm ausreichen. Für die meisten Luftboote würde ich aber eine Länge zwischen 230 cm und 240 cm empfehlen, auch für kleinere Personen.
Diese Meinung bestätigen die Angaben des Herstellers Prijon, welcher auf seiner Homepage eine Übersichtstabelle für die richtige Padelllänge, abhängig von Bootsbreite und Körpergröße anbietet.
2. Welche Blattform soll ich Wählen?
Breitere Paddelblätter bieten mehr Vortrieb und sind ideal für schnelle Manöver oder den Einsatz in Wildwasser. Schmalere Blätter eignen sich besonders für längere Touren auf ruhigen Gewässern. Die Wahl des Blattes hängt stark vom persönlichen Paddelstil und der Umgebung ab, in der man paddelt. Wichtig ist bei den Paddelblättern zudem: Je steifer sie sind, desto besser gelingt die Kraftübertragung ins Wasser und desto kraftsparender kommt der Paddler vorwärts. Ein stark flexendes Paddelblatt verschwendet permanent einen Teil der aufgebrachten Energie in seine Verformung, statt in den Vortrieb.
3. Welche Schaftformen gibt es?
Der Schaft eines Paddels kann gerade oder leicht gebogen sein. Gebogene Schäfte sind ergonomisch geformt und können das Handgelenk in einer natürlicheren Position halten, was Ermüdungserscheinungen verringert. Gerade Schäfte sind jedoch am weitesten verbreitet und bieten eine gleichmäßige Kraftverteilung.
4. Wie unterscheiden sich die verschiedenen Verbindungen (Federschnapper, Vario System, King-Pin)?
Im Wesentlichen gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, wie ein mehrteiliges Paddel zusammengesetzt wird. Die einfachste Art ist mittels Federschnapper. Diese Art der Verbindung kennt man auch zum Beispiel aus dem Campingbereich. Kleine Metallpinne rasten in ein Loch und halten die Stangen so zusammen. Bei eingedrücktem Pin können die Stangen wieder auseinandergezogen werden. Paddel mit dieser Verbindung in der Mitte können nur verschränkt werden, wenn mehrere Löcher an der Verbindungsstelle vorhanden sind. Ein stufenloses Verstellen ist nicht möglich. Bei vierteiligen Paddeln werden die äußeren Segmente des Paddels übrigens fast immer per Federschnapper verbunden, unabhängig des Verbindungsmechanismus in der Mitte.
Die zweite Verbindungsart ist das sogenannte Vario System, welches mit einer Art Schnellspanner funktioniert. Hier werden die Paddelstangen ineinander geschoben und anschließend an der äußeren Stange ein kleiner Hebel umgelegt. Dadurch wird das äußere Rohr verengt und das innere Rohr am Verbinder eingeklemmt. So sind beide Paddelhälften gut miteinander verbunden. Paddel mit diesem Mechanismus können stufenlos in jedem beliebigen Winkel verschränkt werden. Zudem sind sie auch noch längenverstellbar.
Das dritte System ist die sogenannte King-Pin Teilung. An einem Schaft-Ende ist ein Zahnkranz angebracht und es steht ein kleiner Pin heraus. Dieser Pin wird in den anderen Schaft gesteckt und sitzt dann fest. Gelöst wird diese Verbindung durch Drücken eines kleinen Knopfs. Das King-Pin System lässt sich in 15° Schritten verdrehen.



5. Welches Gewicht sollte ein Paddel haben?
Das Gewicht eines Paddels spielt eine entscheidende Rolle, insbesondere bei langen Touren. Ein leichteres Paddel reduziert die Ermüdung und ermöglicht effizienteres Paddeln über längere Zeiträume. Besonders Carbon-Paddel sind hier im Vorteil, aber auch Fiberglas bietet ein gutes Verhältnis von Gewicht zu Preis. Übliche Paddelgewichte (in den Luftboot relevanten Längen) befinden sich oft in der Spanne von 1.200 bis 800 Gramm. Dabei gilt im Grunde: je leichter, desto teurer.
Grundsätzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass man nicht weiß, was man vermisst, solange man das Bessere nicht in der Hand gehabt hat. Man kann durchaus auch mit einem Anfängerpaddel gut zurechtkommen. Fährt man häufiger und längere Strecken, kann sich die Investition in ein besseres Paddel jedoch bezahlt machen.
Mein erste Paddel war das vierteilige Glasfaserpaddel Extasea Safari ², verstellbar von 230 cm bis 240 cm. Diese Paddel bietet von den Paddeleigenschaften eigentlich ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Allerdings habe ich Berichte von anfänglichen Fiberglassplittern in den Händen gelesen. Manche Paddler hatten dieses Problem aber auch nicht.
Pflege und Aufbewahrung des Doppelpaddels
Bei zerlegbaren Paddeln sind die Verbindungsstellen möglichst frei von Sand oder Schmutz zu halten, um ein reibungsloses Zusammensetzen zu gewährleisten. Nach dem Einsatz im Salzwasser sollte das Paddel immer mit Süßwasser abgespült werden, um Korrosion zu verhindern.
Das Paddel wird am besten an einem kühlen, trockenen Ort gelagert und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt, um Materialermüdung zu vermeiden.
Fazit
Ein gutes und leichtes Paddel fährt sich schon deutlich angenehmer als ein günstiges Alu-Einsteigerpaddel. Dies hat allerdings auch seinen Preis. Für Gelegenheitspaddler reicht auch ein günstigeres Paddel. Wenn man es nicht besser kennt, wird man auch nichts vermissen. Bis man dann einmal ein besseres Paddel in der Hand gehabt hat. Danach möchte mit Sicherheit niemand mehr zum schweren Alupaddel zurück. Grundsätzlich lohnt sich die Investition in ein gutes Paddel. Das Paddel hat man schließlich beim Kajakfahren ununterbrochen in der Hand und profitiert damit von einem guten Doppelpaddel bei jedem einzelnen Paddelschlag.
Und falls du zum perfekten Paddel noch das passende Boot suchst: Dein perfektes und qualitativ hochwertiges Kajak findest du spielend leicht mit dem Luftboot-Finder.

